Manar Abu Dhabi - Jubail Island
- Benjamin Brostian

- 6. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Ein Besuch bei Manar Abu Dhabi

Ich war Anfang Dezember bei Manar Abu Dhabi, etwa einen Monat nachdem das Festival auf Jubail Island eröffnet hatte. Es läuft bis Ende Januar, und im Zuge des Formel 1 Rennens in Abu Dhabi, habe ich das miteinander verknüpft. Da ich selbst an medienbasierten Projekten arbeite, war ich neugierig zu sehen, wie sich dieses Format im spezifischen urbanen und klimatischen Kontext der Stadt umsetzt.
Orientierung und Route
Die Route beginnt nahe der Uferpromenade und schlängelt sich durch mehrere Zonen über die Insel - im konkreten, auf Sand und durch die Wüste. Die Abstände zwischen den Installationen sind lang genug, um dabei mal ein Getränk zu nehmen oder sich hinzusetzen. Das Tempo stellt sich dabei fast von selbst ein. Die Installationen sind so gewählt, dass sie nichts miteinander zu tun haben und man auch mal die ein oder andere überspringen kann.
Das Opening
Gateway — Lachlan Turczan
Das Festival öffnet mit Gateway von Lachlan Turczan, einer Kombination aus Wassernebel und Laser, die sich ständig verändernde Lichtmuster erzeugt. In der abendlichen Wärme fühlt sich der Nebel ganz schön an, nicht nur atmosphärisch. Er kühlt die Luft und formt gleichzeitig den Raum. Die Besucher bewegen sich langsamer, bleiben stehen, gehen hindurch. Es ist eine schöne Eröffnungsgeste, die tolle Bilder erzeugt und mystisch wirkt.
Zurückhaltung statt Monumentalität
Was mich am Gesamtlayout überzeugt hat, war die Tatsache das es ein Licht- Medienfestival ist, welches mitten in die Wüste gebaut wird - umsonst und draußen ist. Die Tatsache so viele verschiedene Künstler, Stilrichtungen und Kunstwerke gemeinsam an einen Platz zu bekommen ohne das es wie ein Flohmarkt oder Chaos wirkt - haben sie gut gemacht. Die meisten Arbeiten bewegen sich innerhalb vergleichsweise bescheidener physischer Grenzen. Es gibt keinen Versuch, durch schiere Größe zu überwältigen oder zu erschlagen.
Diese Art der Zurückhaltung ist stimmig – Jubail Island verfügt nicht über das dichte urbane Gewebe oder historische Altstadt, auf dem viele europäische Lichtfestivals aufbauen. Die Räume sind weiter, offener.
Der Besucherstrom variierte deutlich. Manche Installationen zogen größere Gruppen an, andere wurden schneller passiert. Offenbar spielt die Sichtbarkeit von den Hauptwegen aus ebenfalls eine entscheidende Rolle – eine bekannte Dynamik bei offenen Festivalformaten. Was mir auch aufgefallen ist, die Wege welche zu Kunstwerken führten, die besser beleuchtet waren, haben mehr Besucher angezogen.
Ausgewählte Momente
Alcove Ltd — ENCOR Studio
Die Installation, die meine Aufmerksamkeit am längsten gehalten hat, war Alcove Ltd von ENCOR Studio. Untergebracht in einer Struktur, die an einen Schiffscontainer erinnert, bildet sie eine klar definierte Form - kompakt, praktisch und bekannt. Und dann geht die Show los - im Inneren treffen Lichtinstallationen auf schaltbares Glas. Das Objekt verändert sich vollständig wenn das Glas zwischen transparenten und opaken Zuständen wechselt, verändert sich auch das Lichtverhalten und das Gefühl von Offenheit, Transparenz und Abgeschlossenheit. Ich blieb hier am längsten stehen und war wirklich fasziniert, wie diese Übergänge den visuellen Gesamteindruck verschoben haben.
As Water Falls & Faces — Iregular
As Water Falls und Faces von Iregular erwiesen sich ebenfalls als Publikumsmagnet als ich dort war. Die Arbeit kombiniert einen digitalen Wasserfalleffekt auf LED Flächen und Gesichts- Personenerkennung und Face Distortion. Während die Besucher sich die meiste Zeit an einem der Wasserfälle aufgehalten haben und durch Berührung der LED Wand den digitalen Wasserverlauf verändert haben, fand ich die Installation mit der Face Distortion am coolsten. Es zeigt eben, wie unterschiedlich der "Catch- Effekt" sein kann. Was das Auge eines Praktikers festhält, ist nicht zwangsläufig das, was bei einem breiteren Publikum gut ankommt.
Skyward — Ezequiel Pini
Skyward von Ezequiel Pini war eine der Arbeiten, die durch ihre Bauweise schon ein Hingucker war.
Eine angewinkelte LED Wand zeigt in den Himmel während auf der oberen Kante eine Art Meteor/Mond positioniert ist. Die Installation wirkt durch ihre Bauweise schon cool und die Bewegungen der Sterne ergeben ein schönes Gesamtbild auf dem Exponat.
Umsetzung und Entwicklung
Die technische Umsetzung über das Festival hinweg ist gut, wenn auch nicht völlig einheitlich. Manche Arbeiten wirkten für mich vollständig und schlüssig, andere haben meiner Meinung nach noch Raum für Entwicklung. Das ist nicht als Kritik zu verstehen – Offenheit kann Teil eines Konzepts sein und das ist nur meine persönliche Meinung. Die Tatsache ein solches Festival mitten in die Wüste auf Sand zu bauen, war schone eine neue Erfahrung und ich bin froh darüber das ich hingegangen bin.
Location und Medienkultur
Manar fügt sich auf eigene Weise in Abu Dhabis wachsenden Medien- Kulturkalender ein. Es versucht nicht, Noor Riyadh oder das Sharjah Light Festival zu kopieren. In diesem Sinne geht es ebenso um Ortsschaffung wie um die Präsentation von Kunst- und Technologiearbeiten an einem Ort, den man so nicht erwarten würde.
Persönliches Fazit
Ich bin gespannt, wie sich das Festival in zukünftigen Ausgaben weiterentwickelt. Erste Veranstaltungen erproben häufig mehrere Richtungen gleichzeitig. Das hier scheint dabei, seine Bandbreite zu finden – weder überambitioniert noch zu vorsichtig.
Ich ging mit einem Eindruck einzelner, prägnanter Momente, weniger mit dem Gefühl eines geschlossenen großen Ganzen. Manche Arbeiten werden mir im Gedächtnis bleiben – der Container mit dem schaltbaren Glas, der einleitende Nebel, die Laser. Die Erfahrung dort ist gleichzeitig kumulativ und doch fragmentiert. Nicht alles muss vollständig zusammenhängen - dennoch ein schöner Abend in der Wüste.





















