Cirque du Soleil Alizé Berlin – Technische Inszenierung im Theater am Potsdamer Platz
- Benjamin Brostian

- 2. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Die letzten Tage des Dezembers führten mich zu einer unerwarteten Begegnung mit Cirque du Soleil Alizé Berlin, aktuell zu sehen im Theater am Potsdamer Platz. Nach dem Besuch einiger Cirque-du-Soleil-Shows in Las Vegas hat mich interessiert, wie Cirque du Soleil seine visuell-technische Handschrift und das erwartete Wow-Momentum in ein vergleichsweise kleines Theater übersetzt.
Raumgestaltung bei Cirque du Soleil Alizé Berlin
Die Produktion nutzt das Theater als vollständig kontrollierbaren Bühnenraum - nicht nur das Bühnenhaus. Jede Fläche, jede Höhe, jede Sichtachse wird Teil eines ganzheitlichen Inszenierungskonzepts. Statt gegen die räumlichen Grenzen anzuspielen, werden sie aktiv in die Dramaturgie und Gestaltung integriert: Artisten bewegen sich durch den Zuschauerraum, Luftakrobatik findet unmittelbar über dem Publikum statt. Das Resultat ist eine direkte, unmittelbare Nähe zur Show – eine Intensität, mit der große Arenen nicht immer überzeugen können.

Holografische Projektionen und visuelle Systeme
Alizé kombiniert klassische Akrobatik und Magie mit holografischer Projektionstechnik auf höchstem Niveau. Dabei geht es nicht um reinen Effekt, sondern um gezielte, punktuelle Inszenierung. Die Projektionen erweitern den physischen Raum visuell, erzeugen Tiefe und Kontext dort, wo klassische Kulissen an ihre Grenzen stoßen würden. Ich schreibe mir eine gewisse technische Expertise in diesem Bereich zu - aber auch ich habe mich das ein oder andere mal gefragt - "wie machen die das jetzt?".
Lichtdesign- und Projektionen als verbindendes Element
Das Bühnen- und Lichtdesign bezieht den gesamten Raum konsequent mit ein und verwandelt das Theater in ein geschlossenes visuelles System. Das Publikum sitzt dabei häufig nicht vor der Inszenierung – sondern befindet sich innerhalb der Inszenierung.
Kinetische Elemente und sensorische Momente
Ein oft übersehener, aber technisch wie sensorisch bemerkenswerter Aspekt ist der Einsatz von kinetischen Bühnenelementen sowie gezielten Duft- und Luftbewegungen.
Wind fungiert hier nicht als Nebenprodukt, sondern als choreografiertes Gestaltungsmittel – exakt synchronisiert mit Bewegung, Licht und Musik.
Inszenierte Umweltphänomene
Besonders eindrucksvoll ist der Moment, in dem durch Wind und Nebel ein Tornado auf der Bühne erzeugt wird. Das sind Augenblicke, die nachhaltig beeindrucken und die Liebe zum Detail, zur Technik und den klaren Anspruch auf ein allumfassendes „Wow“ spürbar machen.
Auch die kinetischen Bühnenelemente über den Köpfen der Zuschauer beziehen den gesamten Raum in die Inszenierung ein und erzeugen das Gefühl, unter einer Kuppel der Show zu sitzen.

Akrobatik, Timing und Humor
Akrobatisch bleibt Cirque du Soleil seinem Niveau treu: technisch extrem anspruchsvolle Sequenzen, ausgeführt mit scheinbarer Leichtigkeit. Intensive Hochrisiko-Momente werden gezielt durch humorvolle Passagen unterbrochen.
Diese Elemente dienen nicht als Füllmaterial, sondern sind strukturell integriert und sorgen für Rhythmus und eine Balance zwischen Spannung und Humor.
Der Mehrwert kontrollierter Umgebungen
Alizé zeigt eindrucksvoll, welches kreative Potenzial entsteht, wenn alle Parameter eines Raums kontrollierbar sind: Licht, Ton, Projektion, Luft, Bewegung.
Für alle, die sich mit immersivem Design, Lichttechnik, Bühnenengineering oder der Verbindung von Akrobatik und digitalen Medien beschäftigen, bietet diese Produktion eine hervorragende Möglichkeit zu sehen, wie „Champions League“ in diesem Bereich aussieht.
Die Show läuft noch bis Ende April 2025 im Theater am Potsdamer Platz. Wer in Berlin ist und verstehen möchte, wie technische Systeme emotionale Räume verstärken können, sollte einen Besuch definitiv in Erwägung ziehen.









