AYA Universe Dubai – Beobachtungen einer permanenten immersiven Installation
- Benjamin Brostian

- 15. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Dez. 2025
AYA Universe Dubai als immersiver Entertainment-Park

Ich habe kürzlich einen Nachmittag im AYA Universe in Dubai verbracht – einer permanenten Installation mit rund 3.700 Quadratmetern Fläche, die sich selbst als immersiver Entertainment-Park versteht. Da ich seit vielen Jahren im Bereich Experience Design arbeite und die starke Ausbreitung standortbasierter immersiver Formate beobachte und mir diese gern vor Ort ansehe, war für mich vor allem interessant, wie dieses Konzept in einem Markt funktioniert, der aktuell massiv in kulturelle und erlebnisorientierte Infrastruktur investiert.
AYA Universe ist kein Museum – und erhebt auch keinen Anspruch darauf. Der Fokus liegt klar auf Unterhaltung. Die Installation besteht aus zwölf eigenständigen Zonen, die Besucherinnen und Besucher in ihrem eigenen Tempo durchlaufen. Mal eine halbe Stunde, mal für mehrere Stunden. Es gibt keinen durchgehenden narrativen Bogen und keine didaktische Struktur. Stattdessen reiht sich eine Serie abgeschlossener, sensorischer Räume aneinander: teils projektionsbasiert, teils kinetisch, teils geprägt von Licht, Wasser, Spiegelungen und Materialien. Übergangszonen verbinden diese Räume miteinander und sorgen für Orientierung und Fluss.
Räumliche Dramaturgie und Besucherführung
Die Wegeführung ist so angelegt, dass Engstellen vermieden werden, ohne den Eindruck eines starren Parcours zu erzeugen. Der Einstieg erfolgt über einen vergleichsweise zurückhaltenden Korridor, der schrittweise Licht und Farbe einführt, bevor sich der erste größere Raum öffnet. Von dort aus ist Bewegung erwünscht, aber nicht erzwungen. Bestimmte Zonen lenken Besucherströme auf natürliche Weise, ohne formale Abfolge.
Auffällig ist das bewusst gesetzte Tempo. Räume mit hoher visueller Dichte – etwa LED-Installationen, großflächiges Projection Mapping oder interaktive Elemente – werden regelmäßig von ruhigeren Übergangszonen abgelöst. Diese Pausen reduzieren sensorische Ermüdung und geben Raum zur Orientierung. Gerade bei Formaten, in denen Besucher 60 bis 90 Minuten durchgehend Reizen ausgesetzt sind, ist das eine kurze Verschnaufpause.
Die Räume selbst unterscheiden sich deutlich in Maßstab und Gestaltung. Einige setzen auf raumfüllende Projektionen mit abstrakten Formen, kosmischen Motiven oder organischen Bewegungen. Andere arbeiten mit physischen Installationen: kinetische Lichtobjekte, Spiegelräume mit Tiefenillusionen oder leuchtende Bodenflächen. Entscheidend ist dabei die durchgehend hohe Produktionsqualität. Es entsteht nicht der Eindruck von Lückenfüllern oder unfertigen Ideen – wie ich finde.
Inhalte als Atmosphäre
AYA Universe verfolgt keine erzählerische oder inhaltlich vermittelnde Agenda. Die Inhalte sind bewusst abstrakt und atmosphärisch angelegt. Sie zielen auf unmittelbare Wirkung, auf visuelle Präsenz und auf Teilbarkeit – weniger auf Reflexion oder nachhaltige inhaltliche Auseinandersetzung. Diese Entscheidung ist durch die gesamte Ausstellung konsequent und passt zur Positionierung als niedrigschwellige Unterhaltung.
Einige Installationen funktionieren räumlich besonders gut. Ein Raum erzeugt mithilfe synchronisierter LED-Flächen und reflektierendem Boden eine nahezu endlose Tiefenwirkung. Ein anderer arbeitet mit beleuchteten, berührungssensitiven Säulen, die auf Bewegung reagieren und eine spontane Interaktion zwischen Raum und Besuchern ermöglichen. Wieder ein anderer nutzt Wasser als zentrales Element um Besucher in den Mittelpunkt eines Wasserfalls zu stellen.
Das Angebot richtet sich an ein breites Publikum – Familien, Touristen, Social-Media-affine Gruppen – und erfüllt diese Erwartung komplett.
Sounddesign und Integration
Jede Zone besitzt ihre eigene akustische Umgebung, meist in Form von Ambient-Flächen, synthetischen Klängen oder rhythmischen Elementen. Die Verzahnung mit Licht und Raum wirkt dabei eher funktional als Alleinstellungsmerkmal. In manchen Räumen verstärkt der Sound die visuelle Wirkung, in anderen bleibt er reine Begleitstruktur.
Einordnung im wirtschaftlichen Kontext
AYA Universe steht exemplarisch für eine klar definierte Kategorie: permanente, ticketbasierte, unterhaltungsorientierte immersive Orte. Es handelt sich weder um eine reisende Ausstellung noch um eine markenspezifische Aktivierung. Das System ist auf Durchsatz, Wiederholbarkeit und soziale Verbreitung ausgelegt. Das hat wohl so gut funktioniert, dass eine neue Ausstellung, nämlich das House of Hype, ebenfalls vor kurzem eröffnet hat.
Dieses Modell bringt Vorteile mit sich. Nach der Initialinvestition lassen sich Einnahmen relativ stabil kalkulieren, bei überschaubarem operativem Aufwand. Das Konzept ist replizierbar – vergleichbare Formate existieren bereits in vielen weiteren. Für Betreiber und Investoren ist es ein kalkulierbarer Einstieg in den Markt immersiver Unterhaltung – wobei ich mir nach wie vor die Frage stelle, wo der Unterschied zwischen einer medialen Kunstausstellung und einem reinen Entertainment Fokus liegt. House of Hype ist der komplette Gegensatz.
Für Marken und kulturelle Institutionen liefert AYA Universe dennoch relevante Erkenntnisse. Es zeigt, wie räumliche Sequenzierung und Zugänglichkeit zu einem wirtschaftlich tragfähigen Erlebnis führen können.
Relevanz für Praktiker
Für alle, die immersive Erlebnisse gestalten – ob für Marken, Museen oder Entertainmentformate – ist AYA Universe weniger wegen Innovation interessant als wegen Umsetzung. Die Installation zeigt, wie Besucherführung im großen Maßstab funktioniert und wie Reiz und Ruhe sinnvoll austariert werden.
Das Format erfüllt seinen eigenen Anspruch. Es will keine neuen Maßstäbe setzen und keine Diskurse anstoßen. Ohnehin ist es im sich aktuell an allen Ecken entwickelnden Immsersive Exhibition Markt schwierig herauszustechen. Es bietet visuell zugängliche Unterhaltung in einem gut organisierten Umfeld.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob AYA Universe die Zukunft immersiver Erlebnisse darstellt. Es dient vielmehr als Referenz für ein spezifisches Modell: permanent, unterhaltungszentriert, produktionsfokussiert und auf breite Zugänglichkeit ausgelegt.



























